Diversität und Intersektionalität in Supervision Teil 1
- Henning Zippel

- vor 5 Tagen
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wie sich persönliche Hintergründe auf berufliche Identität auswirken
Was ist ein Diversity und Intersektionalität?
Wir begreifen jeden Mensch als einzigartig und individuell und, ganz im systemischen Gedanken, eingebettet in ein verwobenes Netzwerk aus unterschiedlichen Rahmenbedingungen - innen, wie intrapersonell. Vereinfacht bezeichnet wird dieses Netzwerk aus Hautfarbe, sexueller Orientierung, Herkunft, Prägung und sozialer Schicht oft als „Kultur“.
Der Begriff „Kultur“ wird im Alltag und auch in den Wissenschaft sehr häufig analog mit ethnischem Hintergrund verwendet. In Anlehnung an die amerikanische Sozialpsychologin und Feministinn Bernice Lott ist Kultur jedoch als ganzheitliche Lebenswelt einer sozialen Gruppe aufgefasst, die gekennzeichnet ist durch gemeinsame Interpretationsmuster, Normen, Werte und Gewohnheiten, die sich auf der Grundlage gemeinsamer Erfahrungen entwickelt haben (vgl Lott, 2010). Dieses Verständnis geht über die bloße Zugehörigkeit zu einer Ethnie hinaus.
Denn jedes Individuum kann gleichzeitig unterschiedlichen Kulturen angehören. Diese Mischung, unser individuelles und komplex diverses multikulturelles Selbstverständnis prägt, wie wir uns selbst sehen, wie wir Ereignisse interpretieren, welche Überzeugungen wir über andere Personen haben und wie wir uns ihnen gegenüber verhalten (vgl. Lott, 2010). Doch nicht nur unsere eigene kulturelle Identität, sondern auch die Zugehörigkeiten, die uns von außen zugeschrieben werden, beeinflussen, wie wir und andere uns sehen und wir uns verhalten. Der Einfluss der unterschiedlichen Kulturen ist individuell verschieden und kann für dieselbe Person über die Zeit sowie in Abhängigkeit von Situationen und sozialen und politischen Ereignissen variieren (vgl. Lott, 2010).

Dies bedeutet in der Arbeit mit Menschen, das eine Betrachtung von sozialen Gruppen, als „die Frauen“, „die Älteren“ oder „die Einkommensschwachen“ nicht genau genug ist, um die Kultur des Individuums zu erfassen. Denn eine Frau ist zusätzlich einer Herkunft, sexuellen Orientierung, einem Alter und einer Religion zugehörig und somit vielschichtiger, als das bloße biologische Geschlecht. Das Vorhanden sein mehrerer Faktoren und deren Verschränkung nennt man Intersektionaliät. Der Begriff Intersektionalität beschreibt somit das Zusammenwirken verschiedener generierender Subkategorien“ (vgl. Küppers 2014). Oft wird auch von einem Verschränken diverser Faktoren gesprochen.
Die Rolle persönlicher Erfahrungen im Berufskontext
Im persönlichen und privaten Umfeld, wie der professionellen Arbeit mit Menschen spielt der eigene biographische Hintergrund des sozial Arbeitenden eine zentrale Rolle. Da im beruflichen Kontext ein gesellschaftlicher Auftrag und Rahmenbedingungen hinzukommen, kann und muss die professionelle und berufliche Rolle, in ihrer Sicht- und Denkweise abgegrenzt betrachtet werden
Die fachliche Sicht und Denkweise des sozial Arbeitenden speist sich aus handlungsleitenden Einstellungen gegenüber Menschen, Situationen, Phänomenen und Arbeitsprozessen (vgl. Herwig-Lempp/ Schwabe 2002, S. 11). Sie wird geprägt durch persönliche Überzeugungen, theoretischem Wissen und praktischer Erfahrung und macht einen wichtigen Teil der eigenen Professionalität aus, da sie als innerer Kompass dient, der im Arbeitsalltag die nötige Orientierung gibt, um Entscheidungen treffen zu können (vgl. Rieger 2014, S. 57).
2.1 Die berufliche Rolle
Die berufliche Rolle ist zunächst von der beruflichen Funktion zu unterschieden. Während letztere von außen definiert und übertragen wird, beispielsweise als Teamleiter*in, QM-Beauftrage*r, wird die berufliche Rolle angenommen und angeeignet. Sie unterliegt sozusagen einem Sozialisierungsprozess. Hierunter ist ein Aneignungs- und Veränderungsprozess von Kenntnisse und Fähigkeiten, sowie Motiven und Deutungsmuster in der Arbeitswelt zu verstehen. Dieser Sozialisierungsprozess entsteht nicht automatisch und führt zu einer mechanischen Übernahme von Inhalten und Annahme von Handlungserwartungen. Vielmehr interpretieren Studierende die vermittelten Inhalte in Abgleich mit der eigenen Biographie und der eigenen Lebensrealität und setzten diese im beruflichen Alltag entsprechend um.
Ein homosexueller Mann, europäischer Herkunft aus einer wohlhabenderen sozialen Schicht, wird gelernte Inhalte seine Studiums anders interpretieren und umsetzen, als dies eine heterosexuelle schwarze Frau mit körperlichen Einschränkungen dies täte. Dies führt zu unterschiedlichen Deutungsmustern innerhalb des Berufsfeldes. Tägliche Entscheidungen von sozial Arbeitenden basieren meist auf genau diesen Deutungsmustern. So kann am Beispiel Kinderschutz vermutet werden, dass eine aus einem kulturellem Background, in dem körperliche Strafen akzeptiert werden, oder der selbst Armutserfahrung hat, anders auf Risikofaktoren reagieren, als jemand aus einem liberalen und wohlhabenden Milieu.
Es zeigt sich, dass der biographische Hintergrund sich auf die Sicht- und Denkweise der Klient*innen und der sozial Arbeitenden auswirkt und somit doppelt zu falschen Interpretationen und Entscheidungen führen kann.
Das Wissen über diese Umstände ermöglicht es aber sozial Arbeitenden in Selbstreflexion mit ihrer Biographie zu gehen, und einen differenzierten Blick auf sich, ihr Klientel und mögliche Überschneidungen werden zu können.
Die nötige Selbstreflexion und Auseinandersetzung mit den eigenen Erfahrungen, den eigenen Stereotypen und Vorurteilen findet meist im Rahmen der Supervision statt. Doch wie ist es mit den eigenen Erfahrungen von sozial Arbeitenden und Supervisoren bestellt und wie spielen diese Faktoren in der Supervisionsprozess hinein?





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